Warum es fatal ist, Fehler in Mathe durchzustreichen oder zu radieren!

Mathematisches

Lisa ist in Klasse 2 und erledigt ihre Mathe Hausaufgaben.
Lisa kommt auf folgende Ergebnisse.

Pia, Lisas Mutter schaut sich die Ergebnisse an und weiß nicht, was sie sagen soll. Sie kann sich nicht erklären, wie diese Ergebnisse zustande kommen.
Sie sagt: „Guck mal, 27 + 6 = 83 kann doch gar nicht sein“. Lisa schaut sie an und Lisas Blick zeigt deutlich, dass sie nicht weiß, was Pia meint.

Die ratlose Mutter denkt sich nicht viel dabei und nimmt einen Radiergummi

Wie so oft, sind Pia und Lisa ratlos.
Pia nimmt einen Radiergummi, radiert alle Ergebnisse weg, holt den Rechenrahmen und setzt sich zu Lisa und meint:
Also: „74 + 7. Stell bitte mal 74 ein.“.
Lisa schiebt 7 Reihen nach links. Und dann weitere 4 Kugeln.
„Ja, jetzt sind das 74. 7 Zehner und 4 Einer. Jetzt kommen 7 Einer dazu.“
Lisa hüpft mit ihrem Finger eine Reihe nach unten und zählt in dieser 7 Kugeln ab.
Lisa sitzt vor dem Rahmen und wartet auf eine weitere Aufgabenstellung ihrer Mutter.
Diese meint: „Wir möchten 74 + 7 rechnen. Du musst hier auffüllen auf den Zehner“ und zeigt auf die Reihe mit den 4 Kugeln.
Lisa hüpft mit ihrem Finger in die Reihe, schiebt die Kugeln einzeln nach links und zählt: „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs“. Lisa schaut Pia an und wartet auf die nächste Aufgabenstellung.
Pia sagt: „Jetzt hast du 6 dazu genommen. Die Aufgabe ist 74 + 7. Wie viele kommen dann noch dazu?“
Lisa zeigt auf die nächste Reihe und sagt „sieben“.

Sichtlich genervt erklärt die Mutter ihren Weg

Pia fällt es mittlerweile schwer, ruhig zu bleiben.
Sie schnappt sich energisch den Rahmen und stellt die 74 nochmals ein. „ Schau mal, jetzt schiebe ich 6 nach links. Und brauche dann noch 1 Kugel. Welche Zahl ist das denn dann?“
Lisa schaut sich den Rahmen an, überlegt lange. Zählt dann von oben die Reihen entlang: „Zehn, Zwanzig, Dreißig, Vierzig, Fünfzig, Sechzig, Siebzig, Achtzig, und 1. Also 81“.
Pia sagt sichtlich genervt: „Ja, schreib hier hin.“

Lass uns nochmals einen Blick auf Lisas ursprüngliche Ergebnisse werfen:
74 + 7 = 84
86 + 7 = 95
27 + 6 = 83

Wenn wir Lisas Ergebnisse genau anschauen, hat sich Lisa sehr bemüht, die Aufgaben zu berechnen. Und wenn wir Lisas Ergebnisse exakt anschauen, sehen wir, dass Lisa ganz wundervolle Fähigkeiten in ihrem mathematischen Denken ausgebildet hat. Ja, die Endergebnisse sind nicht korrekt. Gleichzeitig sind ihr hier sehr wertvolle Teilschritte gelungen.

Eine Fehleranalyse zeigt die Fähigkeiten des Kindes

Lass uns die Aufgaben sehr detailliert anschauen.
74 + 7 = 84.
86 + 7 = 95
Lisa hat mit 74 begonnen und hat erkannt, da ist ein Zehnerübergang dabei. Lisa hat sich gemerkt, dass sie zweistellige Zahlen in Zehner und Einer unterteilen kann. Und hat den Zehner von der 74 zu den 7 Einern addiert. Und kam dabei auf 14. Wow. Lisa gelingt der Zehnerübergang! Ja, Lisa hat nicht mit den 4 Einern und 7 Einern gerechnet. Sondern stattdessen die 7 Zehner als Einer genommen.
In Klasse 2 darf das sein.

Wir schauen zu 86 + 7 = 95
Lisa hat mit 86 begonnen und hat erkannt, dass ein Zehnerübergang dabei ist. Lisa hat wieder die 86 in Zehner und Einer unterteilt und dabei Zehner mit Einer verwechselt. Also hat sie 8 mit 7 addiert und kam auf 15. Und Wow, der Zehnerübergang ist wieder gelungen!
Lisa hat hier bei beiden Aufgaben ein und denselben Weg genommen.

Und plötzlich wird klar, dass das Kind lediglich an einer Stelle Begleitung braucht!

Lass uns 27 + 6 = 83 anschauen. Wenn wir Lisas obigen Weg durchführen, kommen wir auf 38. Lisa schreibt 83 auf. Und wir sehen, da hat sie zusätzlich zur Zehner- und Einerverwechslung auch noch einen Zahlendreher eingebaut. Auch das darf sein zu Beginn von Klasse 2. Der Zehnerübergang ist ihr wieder gelungen!

Und lass uns einen Blick auf die 37 + 8 = 41 werfen. Lisa erkennt wieder, dass ein Zehnerübergang dabei ist. Und Lisa rechnet wieder nach demselben Weg 3 addiert zur 8.

Dieser Blick zeigt sehr deutlich, dass Lisa ein sicheres Fundament im Zahlenraum bis 20 ausgebildet hat.

Zudem wird sehr deutlich klar, dass Lisa mentale Bilder von zweistelligen Zahlen braucht, um die Ziffernebene mit ihrem mentalen Bild sicher verknüpfen zu können.

Lass uns gerne nochmals zu dem schauen, was Pia mit Lisa gemacht hat! Und lass uns schauen, was das mit Lisas Selbstwert macht!
Lisa hat sich bemüht, die Aufgaben zu bearbeiten und etliche Teilschritte sind ihr gelungen. Pia gelingt es an der Stelle nicht, diese zu sehen und diese wertzuschätzen.
Bei Lisa kommt an: Ich kapiere in Mathe nichts. DAS ist nicht korrekt.

Pia ist an der Stelle sehr auf die Endergebnisse fixiert. Weil diese nicht korrekt sind, radiert sie diese weg und versucht, Lisa einen Weg zu zeigen, der für sie klar ist. Hierzu greift sie auf den Rechenrahmen zurück. Pia hat die Erwartung, dass sich Lisa hier in Pias Weg eindenken kann.
Lisa dagegen kann mit dem Rechenrahmen und Pias Weg an der Stelle nichts anfangen. Tatsächlich nichts. Sie geht an der Stelle nicht über den Weg, den Pia gehen möchte. Deshalb sitzt Lisa vor dem Rahmen und versteht gefühlt nur Bahnhof.

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