Menschen, die nicht Kopfrechnen können, kommen über den zählenden Weg oder über den Untereinander Weg zum Ergebnis. Diese beiden Wege sind sehr fehleranfällig und schwächen darüber hinaus den Selbstwert des betroffenen Menschen.
54 – 13
76 – 15
87 – 9
91 – 23
Tina startet.
54 – 13. 5 Minus 1 ist 4, 4 Minus 3 ist 1. Also 11
76 – 15. 7 Minus 1 ist 6. 6 Minus 5 ist 1. Also 61.
87 – 9. Von 9 bis 7, nein 17. 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17. Also 8 sagt Tina auf ihre Finger schauend. Also 78.
91 – 23. Von 3 bis 11. 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11. Also 9 oder? Tina schaut nochmals ihre Finger an. Ja, 9. Von 2 bis 7 Also 3, 4, 5, 6, 7. 5. Also 59 oder?
Tina weiß genau, wo ihre Unsicherheiten liegen. Sie weiß auch, dass bei den Übergängen oft Fehler passieren.
Tina kann Rechenschritte nicht im Kopf vollziehen, weil sie keine Vorstellung über die Zahlen aufgebaut hat. Zudem kann sie sich mental, also in der Vorstellung, nicht im Zahlenraum bewegen. Tina fehlt die Fähigkeit des Kopfrechnens.
Menschen, denen diese Fähigkeit fehlt, kommen über den zählenden Weg zum Ergebnis. Und / oder im Additions- und Subtraktionsbereich über das schriftliche Verfahren untereinander. Dieses Verfahren wird oftmals nicht aufgeschrieben, die Zahlen werden untereinander vorgestellt und dann zifferngerecht gearbeitet. Das ist sehr fehleranfällig und sehr, sehr anstrengend. Viel Arbeitsspeicher wird gebraucht.
Das Fatale dabei: Zahlen werden nicht mehr als Zahl wahrgenommen, sondern lediglich als aneinandergereihte Ziffern. Ohne jegliches mathematisches Verständnis. Dadurch gelingen einfachste Aufgabenstellungen nicht mehr und sobald die Aufgabenstellungen etwas verändert wird, entsteht ein großes Fragezeichen.
Die Fähigkeit des Kopfrechnens und somit Kopfrechnen ohne Finger gehört zu den grundlegenden Fähigkeiten im mathematischen Bereich und setzt unter anderem eine Orientierung im Zahlenraum sowie das Begreifen der Zahlen voraus.
Wer also nicht Kopfrechnen kann, dem wird es nicht helfen, Aufgaben zu üben. Es braucht viele Schritte davor.
Deshalb ist der Weg zum Kopfrechnen ein langer. Je länger wir diesen gestalten, desto hilfreicher ist es und desto sicherer werden die Zusammenhänge begriffen.
Okay. Nochmals.
Je länger wir den Weg zum Kopfrechnen gestalten, desto hilfreicher. Ja. Du hast richtig gelesen. Es ist ein Weg. Dieser beginnt bei automatisierten Kopfaufgaben, geht über den halbschriftlichen Weg und endet irgendwann im sicheren Kopfrechnen. Dabei ist es so wichtig, Zeit für den halbschriftlichen Weg zu bekommen! Je länger, desto besser. Ideal so lange, wie dieser vom Kind gebraucht wird! Alles andere ist sowieso verkehrt, das brauche ich dir nicht sagen. Ein Kind, das die Wege im Kopf gerechnet, noch nicht schafft, braucht die notierten Zwischenschritte. Ohne Wenn und Aber. Auch in allen Tests.
Dabei beziehe ich mich hier ausschließlich auf schriftlich notierte Aufgaben. Mündlich gestellte Aufgaben sind nicht Kopfrechen- Aufgaben, sondern vielmehr Höraufgaben.
Kein Kind bleibt absichtlich beim halbschriftlichen Rechnen hängen. Jedes Kind löst sich von diesem – wenn das Kind dazu bereit ist.
Und auch wenn die Fähigkeit des Kopfrechnens sicher ausgebildet ist, ist es sehr hilfreich, regelmäßig in den halbschriftlichen Weg einzutauchen. Weil dadurch Rechenvorteile sichtbar werden, Zusammenhänge in den größeren Zahlenraum gezogen werden können und die Orientierung im Zahlenraum weiter ausgebaut wird.
Leider kommen in den fünften Klassen reihenweise Kinder an, die die Fähigkeit des Kopfrechnens nicht ausgebildet haben. Deshalb ist es so wichtig, dass während der Grundschulzeit der Fokus auf den halbschriftlichen Wegen liegt. Je mehr, desto besser.
Kopfrechnen ohne Finger Zählen ist ein Geschenk für jedes einzelne Kind!